Meike F., 39, Optikerin aus Bremen-Walle, wollte wissen, wie viel Bio im Mittagessen ihres Sohnes steckt. Die Antwort hängt davon ab, auf welche Schule er geht.
Zwischen 13 und 96 Prozent ist alles dabei.
Der Bremer Senat hat am 6. Februar 2018 den „Aktionsplan 2025“ beschlossen. Das Ziel: hundert Prozent Bio beim Mittagessen in Schulen und Kitas bis Ende 2025. Am 30. Juni 2026 hat der Senat den Abschlussbericht beschlossen. In den Schulküchen liegt der Bio-Anteil bei durchschnittlich 65 Prozent.
Das ist keine Kleinigkeit, und wer behauptet, es sei nichts passiert, liegt falsch. Es geht um rund acht Millionen Mahlzeiten im Jahr, um Lieferketten, Preise und Küchen, die dafür nie gebaut wurden. 65 Prozent sind eine Menge Arbeit.
Nur war das Ziel ein anderes.
Was in Bremen mit einem verfehlten Ziel geschieht, lässt sich am Abschlussbericht gut ablesen. Es wird nicht verfehlt. Es wird eingeordnet.
Eine Erhebung des Beratungsunternehmens Ökonsult für das Biostädte-Netzwerk stellt Bremen beim Schulessen bundesweit an die Spitze, vor Berliner Grundschulen mit rund 50 Prozent. Der Senat weist in derselben Sache darauf hin, dass es bisher keine einheitliche Methode zur Erfassung der Bio-Anteile gibt und Vergleiche deshalb vorsichtig zu lesen sind.
Vorsichtig gelesen: Bremen ist Erster in einer Disziplin ohne Maßband.
Wo keine Zahl erhoben wurde, steht trotzdem eine
Bei den Kitas wird es unübersichtlich. Die Senatsmitteilung nennt 54 Prozent für 2025. Bericht und Berichterstattung nennen 35 Prozent. Systematisch erhoben wurde der Bio-Anteil in den Kitas nicht, die 35 Prozent stammen aus einer Hilfskonstruktion. Welche der beiden Zahlen stimmt, ist offen.
Die kommunalen Kliniken hatten ein eigenes Ziel. Es lag bei 20 Prozent. Sie haben es erreicht.
Bremerhaven kommt auf 7 Prozent. Der Plan galt dort nicht.
Die Bilanz nach achteinhalb Jahren:
- Kliniken, Ziel 20 Prozent: erreicht
- Schulen, Ziel 100 Prozent: 65 Prozent, bundesweit Platz eins
- Kitas, Ziel 100 Prozent: 35 oder 54 Prozent, je nach Rechenweg
- Bremerhaven, kein Ziel: 7 Prozent, nicht im Plan
„Wer kein Ziel hat, kann keines verfehlen“, sagt der Sachbearbeiter für Bremerhaven.
Im September 2024, mitten in der Laufzeit, hat die Europäische Kommission Bremen den EU Organic Award in der Kategorie beste Bio-Stadt verliehen. Die damalige Umweltsenatorin Kathrin Moosdorf nahm ihn in Brüssel entgegen.
Seit 2025 arbeitet Bremen an einer Ernährungsstrategie. Bremerhaven ist diesmal dabei.
Meike F. hat in der Schule ihres Sohnes nachgefragt. Einen Prozentsatz konnte ihr niemand nennen. Was es am Dienstag gab, schon.
Nudeln mit Tomatensoße. Ob das die 96 Prozent waren oder die 13, wusste keiner.
Meike F. ist eine erfundene Figur. Alle Zahlen, Daten und Zitate zum Aktionsplan sind belegt und in den Quellen nachzulesen. Die widersprüchlichen Angaben zum Bio-Anteil in den Kitas sind im Text als solche gekennzeichnet.
Quellen
- Senatspressestelle Bremen: Nachhaltige und gesunde Ernährung für Bremen — Senatsbeschluss zum Abschlussbericht des Aktionsplans 2025 (30. Juni 2026)
- Weser-Kurier: Bremen verfehlt Zielvorgaben bei Bio-Essen in Schulen und Kitas
- Weser-Kurier: Biostädte-Netzwerk — Bremen beim Schulessen bundesweit vorn (Erhebung von Ökonsult)
- Senatspressestelle Bremen: Bremen ist Europas beste BioStadt — EU Organic Award (23. September 2024)













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