Alkoholfreies Bier ist der einzige Wachstumsmarkt. In der Bierstatistik kommt es nicht vor.

Satirischer Behördenaushang des Ministeriums für Haltung mit der Schlagzeile „Alkoholfreies Bier ist kein Bier. Es zahlt keine Steuer.“ und einem roten Stempel „NICHT ERFASST“.

Bernd A., 57, Getränkehändler aus Alsfeld, verkauft weniger Bier als früher. Das sagt die Statistik. Er trägt mehr Kästen als früher.

Beides stimmt.

Am 7. August, dem Internationalen Tag des Bieres, lagen die Zahlen auf dem Tisch. Der Bierabsatz im ersten Halbjahr: 2,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Brauereien: 1.415, dreiundfünfzig weniger als im Jahr davor. Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, nennt den besseren Juni „ein Lichtblick“, der „aber längst keine Trendwende“ bedeute.

In derselben Mitteilung steht der Satz, um den es geht: Alkoholfreie Biere kommen inzwischen auf über zehn Prozent Marktanteil und werden von der amtlichen Statistik nicht erfasst.

Dafür gibt es einen ordentlichen Grund, und man soll ihn nennen. Die Bierabsatzstatistik ist keine Marktforschung, sondern eine Steuerstatistik. Gezählt wird, was Biersteuer auslöst. Alkoholfreies Bier löst keine aus.

Damit ist die Sache sauber geregelt. Sie hat nur eine Folge.

Nicht enthalten sind nach der Systematik des Statistischen Bundesamtes:

  • alkoholfreies Bier
  • Malztrunk
  • Bier aus Ländern außerhalb der EU

Gezählt wird Bier aus Belgien.

Ein Pils aus Antwerpen ist damit deutsches Marktgeschehen, ein Pils aus Basel nicht. Ein alkoholfreies Pils aus einer Brauerei im Nachbarort ist gar keins. Es steht im selben Kasten, es kostet dasselbe Pfand, es wird von denselben Leuten getragen.

„Ein Getränk, das keine Steuer auslöst, belastet den Markt nicht“, sagt der Referent für Verbrauchsmessung im Ministerium für Haltung. „Es kann ihm deshalb auch nicht fehlen.“

Der Kasten, der nicht vorkommt

Mehr als die Hälfte der deutschen Brauereien sind kleine Betriebe mit höchstens 100.000 Litern im Jahr. Über ihre Lage wird öffentlich mit genau einer Zahl gesprochen. Der Teil ihres Sortiments, der zulegt, ist darin nicht vorgesehen.

Gemessen wird eine Branche also an einer Zahl, die ihren einzigen wachsenden Teil aus systematischen Gründen nicht enthalten kann. Gerechnet wird trotzdem mit ihr. Eine andere gibt es nicht.

Die Zahl sinkt seit Jahren. Die Schlagzeile heißt dann, die Deutschen tränken weniger Bier. Belegt ist: Sie zahlen weniger Biersteuer.

Der Brauer-Bund weist auf den Unterschied hin, seit Jahren, in jeder Mitteilung. Geändert hat sich die Statistik nicht, denn sie ist nicht falsch. Sie misst genau das, wofür sie gemacht wurde, und das ist nicht der Durst.

Bernd A. schreibt seinen Absatz seit dem Frühjahr selbst mit, auf einem Karton hinter der Kasse. Er brauchte eine Zahl für die Bestellung, und die amtliche half ihm dabei nicht.

Vor seinem Laden steht seit Juli ein Aufsteller. Alkoholfrei, zweiter Kasten günstiger.

Was er in diesem Sommer am häufigsten nachbestellt hat, taucht in keiner Bierstatistik auf. In seinem Lager steht es ganz vorn.

Bernd A. ist eine erfundene Figur. Alle genannten Zahlen, Zitate und Abgrenzungen sind belegt und in den Quellen nachzulesen.

Quellen

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