Gegen die Dürre gibt es ein Darlehen, drei Stundungen und einen früheren Zahltag.

Satirischer Behördenaushang des Ministeriums für Haltung mit der Schlagzeile „Hilfe misst sich in Wochen“ und einem roten Stempel „Zahlbar im Oktober“.

Volker M., 56, Landwirt aus dem Landkreis Ansbach, muss im September Saatgut bestellen. Bezahlen muss er es auch im September.

Die Hilfe, die er dafür bekommen kann, besteht überwiegend darin, dass er anderes später bezahlen darf.

Der Deutsche Bauernverband hat am Dienstag seine Erntebilanz vorgelegt: 41,9 Millionen Tonnen Getreide, deutlich weniger als im Vorjahr, in Süd- und Westdeutschland stellenweise Missernten. Verbandspräsident Joachim Rukwied nennt als Ursache „ein zu trockenes Frühjahr und dann Hitze und anhaltende Trockenheit“.

Das Problem, das er beschreibt, ist ein Kassenproblem. Wer im Herbst sät, zahlt im Herbst. „Unsere Betriebe brauchen aktuell Saatgut und Diesel, später Dünge- und Pflanzenschutzmittel“, sagt Rukwied. „Ohne die notwendige Liquidität sind sie nicht in der Lage, die nächste Ernte zu finanzieren.“ Das bestreitet niemand, und es ist auch nicht zu bestreiten.

Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) hat am selben Tag zugesagt: „Ich werde auf allen Ebenen dafür kämpfen, dass unsere Landwirtschaft Unterstützung bekommt.“ Bereit stehen ein Liquiditätshilfeprogramm über 200 Millionen Euro in Form von Darlehen, eine Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen, eine Stundung von Pachtraten und eine Aussetzung laufender Tilgungen.

Der Bauernverband fordert dazu, dass 80 Prozent der EU-Direktzahlungen im Oktober überwiesen werden statt im Dezember.

Sortiert man das danach, was am Ende zusätzlich auf dem Hof ankommt, ergibt sich folgendes Bild:

  • Darlehen: Geld, das zurückgeht
  • Stundung der Beiträge: Geld, das später abgeht
  • Aussetzung der Tilgung: Geld, das später zurückgeht
  • Direktzahlungen im Oktober: Geld, das den Betrieben ohnehin zusteht

Eine einzige Position im Paket ist ein Betrag, der hinzukommt: die Düngemittelhilfe. Die EU stellt dafür 60 Millionen Euro bereit. Der Verband hätte gern 180.

Alles andere ist ein Datum.

Hilfe misst sich in Wochen

„Eine Zahlung, die früher eintrifft, ist eine Leistung“, sagt die Abteilung für Termine und Zusagen. „Sie ist die einzige, die nichts kostet.“

Der Vorzug dieser Bauweise liegt offen zutage. Ein Termin lässt sich ohne Haushaltsansatz verschieben. Ein Darlehen taucht später als Einnahme wieder auf. Eine Stundung ist ein Vorgang zwischen zwei Zeilen. Von außen sieht das zusammen aus wie ein Paket. Von innen sieht es aus wie ein Kalender.

Für mehr, sagt Rainer, brauche er Zahlen: „Ohne belastbare Daten können wir schlecht Hilfe leisten.“ Vorgelegt wurde an diesem Tag die Erntebilanz eines Verbands. Ob er sie für belastbar hält, hat er nicht gesagt.

Volker M. hat das Saatgut bestellt und über den Kontokorrentkredit seiner Hausbank bezahlt.

Der Zins läuft ab der Lieferung. Nicht ab der Auszahlung.

Volker M. ist eine erfundene Figur. Alle genannten Zitate, Zahlen und Angaben sind belegt und in den Quellen nachzulesen.

Quellen

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