Marlene S., 44, Aufnahmeleiterin aus Köln, hat sich den Herbst freigehalten. Der Dreh, für den sie gebucht war, wartet auf eine Förderzusage. Die Zusage wartet auf Geld, das im Mai noch verdoppelt worden war.
Am 11. August hat die Filmförderungsanstalt mitgeteilt, dass für dieses Jahr noch rund 30 Millionen Euro Antragsvolumen zur Verfügung stehen. 111 Projekte sind in Bearbeitung.
Die Erklärung dazu lautet: „Die außergewöhnlich hohe Nachfrage bestätigt die Attraktivität und Relevanz der wirtschaftlichen Filmförderung des BKM.“
Ein Topf ist demnach dann besonders gut, wenn nichts mehr drin ist.
Der Andrang ist dabei kein Missbrauch. Wer ein Programm attraktiver macht, bekommt mehr Anträge — das ist der Zweck. Und ein Haushaltsjahr ist ein Haushaltsjahr und kein Konto. Dass ein Fördertopf endlich ist, weiß jeder, der schon einmal einen beantragt hat.
Kleiner gemacht wird trotzdem nicht der Andrang, sondern die Tür.
Seit dem 11. August gelten für Projekte mit Drehbeginn in diesem Jahr neue Anforderungen. Wer Geld aus dem Deutschen Filmförderfonds will, muss die Finanzierung zu mindestens 45 Prozent verbindlich nachweisen und einen verbindlichen Letter of Commitment eines Verleihers vorlegen; eine Interessensbekundung genügt nicht mehr. Für den German Motion Picture Fund braucht es einen Auswertungsvertrag. Und alle müssen vor der Einreichung ein Antragsgespräch führen.
Bevorzugt gefördert wird damit, wer die Förderung am wenigsten braucht.
„Ein Antrag ist bewilligungsreif, sobald er sich erübrigt hat“, sagt die Abteilungsleiterin für Anschubfragen. „Vorher wäre es Glücksspiel.“
Der Booster und der Haushalt
Am 27. Mai hatte das Bundeskabinett die Investitionsverpflichtung für Streamingdienste beschlossen. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sagte dazu: „Mit dem heutigen Kabinettsbeschluss zünden wir für den deutschen Film eine neue Stufe im internationalen Standortwettbewerb.“ Die Pressemitteilung seines Hauses trug im Titel, der Filmbooster starte jetzt mit 250 Millionen Euro durch.
Für 2027 sind rund 200 Millionen Euro vorgesehen, vorbehaltlich der Haushaltsaufstellung. Die Investitionsverpflichtung, die zusätzliches Geld bringen soll, hat das Kabinett beschlossen und der Bundestag noch nicht. Ein Steueranreizmodell gibt es nicht.
Die Branche, die im Mai applaudiert hat, hat im August nachgezählt. David Bernet, Ko-Vorsitzender der AG DOK, nannte die Nachricht „eine Bankrotterklärung der Filmpolitik“. Christoph Friedel vom Vorstand von PROG Producers of Germany sprach von einer „katastrophalen Verschlechterung der Marktbedingungen“. Michelle Müntefering, Geschäftsführerin der Produktionsallianz, sagte: „Es stehen Existenzen auf dem Spiel.“
Ein Booster ist ein Gerät, das kurz sehr viel Schub gibt. Über die Dauer sagt der Begriff nichts, und insofern stimmt er.
Marlene S. hat den Herbst wieder freigegeben. Sie arbeitet jetzt an einer Serie, deren Finanzierung schon stand, bevor jemand einen Antrag gestellt hat.
Marlene S. ist eine erfundene Figur. Alle genannten Zitate, Zahlen und Angaben sind belegt und in den Quellen nachzulesen.
Quellen
- filmportal.de: DFFF und GMPF-Antragszahlen auf Allzeithoch — Aktualisierung der Antragsanforderungen notwendig (11. August 2026)
- DWDL: „Eine Bankrotterklärung“ — Verbände kritisieren Wolfram Weimer (12. August 2026)
- Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien: Bundeskabinett beschließt Investitionsverpflichtung für Mediendienste — Weimer: „Filmbooster startet jetzt mit 250 Millionen Euro durch“ (27. Mai 2026)
- Bundesregierung: Bundeskabinett beschließt Investitionsverpflichtung für Mediendienste (27. Mai 2026)














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