Rita P., 61, Chorleiterin aus Achim, sucht seit dem Frühjahr einen Proberaum. Fünfundvierzig Sängerinnen und Sänger, einmal die Woche, donnerstags von 19 bis 21 Uhr. Es gibt keinen.
Fünfzehn Kilometer weiter stehen 800 Quadratmeter leer. Sie sind für Hochsicherheitsverfahren gebaut.
Das Landgericht Verden hat den Prozess gegen das frühere RAF-Mitglied Daniela Klette in einem umgebauten Reiterhof geführt, weil kein Gerichtsgebäude im Bezirk dafür ausgelegt war. Am 27. Mai 2026 fiel das Urteil: dreizehn Jahre Haft wegen schweren Raubes und Verstößen gegen das Waffengesetz. Der Umbau kostete rund 3,6 Millionen Euro. Seither wird die Halle nicht genutzt.
Der Fehler liegt nicht dort, wo man ihn vermutet. Wer für ein Verfahren dieser Art einen Raum anmietet, muss von einer langen Dauer ausgehen und nicht von einer kurzen; ein Prozess, der mitten in der Beweisaufnahme obdachlos wird, wäre der teurere Fall. Das Ministerium rechnete mit einer Verfahrensdauer bis mindestens Ende Mai 2027 und mietete bis Ende Mai 2027.
Das Urteil fiel ein Jahr früher.
Damit hat das Gericht die einzige Kennzahl verfehlt, an der die Immobilie hängt.
Miete ist eine Eigenschaft der Zeit, nicht der Nutzung. Sie läuft, ob verhandelt wird oder nicht. Das kennt man von Fitnessstudios, nur dass dort die Halle kleiner ist.
Zum Gelände gehören:
- eine Halle mit 800 Quadratmetern
- ein Wohnhaus mit Nebengebäuden
- ein Gästehaus
- Koppeln, Garten und Spielplatz
- ein Schwimmsee
Der Schwimmsee gehört seit dem 27. Mai zum ungenutzten Bestand.
„Ein Verfahren, das früher endet als vorgesehen, ist kein Erfolg“, sagt der Referent für Verfahrensdauer. „Es ist eine Abweichung.“
Gespräche laufen
Das niedersächsische Justizministerium teilte mit, über die künftige Nutzung werde noch gesprochen, unter anderem mit dem Vermieter; abgeschlossen sind die Gespräche nicht. Verlängern ließe sich der Vertrag bei Bedarf.
Für den nächsten Fall ist Verden allerdings nicht vorgesehen. „Der Neubau eines Hochsicherheitsgebäudes ist für den Standort Hannover geplant“, so das Ministerium.
Der Saal in Verden hat damit seinen Anlass überlebt und seinen Nachfolger nicht bekommen. Er ist ein Provisorium mit Vertrag, aber ohne Aufgabe — und die Aufgabe zieht in eine andere Stadt.
Was das Land in diesen Monaten bezahlt, steht in keiner Bilanz als Fehler. Es steht als Miete. Fehler entstehen durch Beschlüsse, Miete entsteht durch Kalender.
Rita P. braucht keine 800 Quadratmeter, keine Koppel und keinen See. Sie braucht einen Raum mit Klavier, donnerstags.
Bis der Vertrag ausläuft, sind es noch einundvierzig Donnerstage.
Rita P. ist eine erfundene Figur. Alle genannten Zitate, Zahlen und Angaben sind belegt und in den Quellen nachzulesen.














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