Bahn meldet 59 Prozent Pünktlichkeit. Gezählt wurden nur Züge, die gefahren sind.

Beitragsbild zum Thema: Die Bahn meldet Gewinn und 59 Prozent Pünktlichkeit — bei einer Definition, die sechs Minuten Verspätung noch als pünktl

Mirko L., 39, Physiotherapeut aus Fulda, erfuhr am Donnerstag, dass es bei der Bahn aufwärtsgeht. Er erfuhr es in Hanau. Im Stehen.

Die Deutsche Bahn hat 147 Millionen Euro Halbjahresgewinn gemeldet, den ersten seit 2019, und im Fernverkehr 59 Prozent Pünktlichkeit.

Pünktlich heißt bei der Bahn: weniger als sechs Minuten zu spät. Fünf Minuten und 59 Sekunden sind ein Erfolg. Sechs Minuten und eine Sekunde sind ein Versagen. Dazwischen liegt eine Sekunde, in der sich das deutsche Verkehrswesen entscheidet.

Züge, die ausfallen, kommen in der Statistik gar nicht erst vor. Ein Zug, der nicht fährt, ist nicht unpünktlich. Er ist abwesend, und Abwesende werden nicht bewertet. Das kennt man aus der Schule.

Der Bundesrechnungshof hat das bemängelt, der Spiegel hat darüber berichtet, die Bahn bestreitet, ihre Zahlen zu schönen. Das muss man nicht entscheiden. Man muss nur verstehen, dass Pünktlichkeit bei der Bahn keine Eigenschaft von Zügen ist, sondern eine Vereinbarung über Zahlen.

Und Vereinbarungen sind das Einzige am deutschen Schienennetz, das sich ohne Baustelle ändern lässt.

Vorschlag der Abteilung XI

Das Ministerium für Haltung hat weitergerechnet. Bei sechs Minuten sind 59 Prozent der Fernzüge pünktlich. Bei neunzig Minuten wäre die Deutsche Bahn das zuverlässigste Verkehrsmittel Europas, geschlagen nur vom Gehen.

Empfohlen wird daher ein gestuftes Modell:

  • pünktlich (bis 6 Minuten)
  • im Wesentlichen pünktlich (bis 30 Minuten)
  • pünktlich im Sinne der Erwartungshaltung (bis 90 Minuten)
  • angekommen

Die vierte Stufe ist die wichtigste. Sie ist immer erfüllt, sobald sie erfüllt ist.

„Wir haben jahrelang geglaubt, das Problem sei der Verkehr“, sagt die Abteilungsleitung XI. „Dabei war es die ganze Zeit die Uhr.“

Der Vollständigkeit halber: Die Sanierung ist echt, der Gewinn ist echt, und wer ein jahrzehntelang auf Verschleiß gefahrenes Netz repariert, muss es sperren. Gesperrte Strecken machen keine Züge schneller. Das ist keine Ausrede, das ist Bauwesen.

Das Ziel von 80 Prozent gilt inzwischen für die 2030er Jahre. Die Generalsanierung soll 2035 fertig sein. Mirko L. ist dann 48.

Wechseln kann er nicht. Es gibt auf seiner Strecke keine zweite Bahn, und es soll auch keine geben, weil ein Schienennetz nur einmal Sinn ergibt. Er hat als Kunde alles, was ein Kunde braucht, außer der Möglichkeit zu gehen.

Also hat er getan, was die Bahn auch getan hat. Er hat definiert.

Mirko L. nimmt seit zwei Jahren den Zug davor. Seine persönliche Pünktlichkeitsgrenze liegt bei 39 Minuten, und er erfüllt sie zu hundert Prozent.

Damit ist er das zuverlässigste Verkehrsmittel zwischen Fulda und Frankfurt.

Mirko L. ist eine erfundene Figur. Alle genannten Zahlen, Termine und Zitate sind belegt und in den Quellen nachzulesen.

Quellen

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