Bettina S., 51, Zahntechnikerin aus Osnabrück, hat noch eine bunte Kapitänsbinde in der Küchenschublade. Sie hat sie im November 2022 gekauft. Getragen hat sie damals kein Kapitän.
Am Donnerstag haben die 55 europäischen Nationalverbände einstimmig beschlossen, sämtliche FIFA-Turniere zu boykottieren, falls die FIFA Eigentumsanteile an der Weltmeisterschaft an private Investoren verkauft.
Die UEFA teilte mit: „Niemand hat das moralische Recht, etwas zu verkaufen, das er lediglich treuhänderisch für die nächste Generation verwaltet.“ DFB-Präsident Bernd Neuendorf sagte, man dürfe den Fußball „nicht zum Spielball von Investoren machen“. Die Frist für die Zustimmung der Verbände läuft bis zum 19. September.
Das Anliegen ist ernst zu nehmen. Ein Turnier, an dem Anleger Anteile halten, wird nach deren Renditeerwartung terminiert, vergrößert und weiterverkauft. Wer das verhindern will, hat recht damit.
Neu ist nur das Mittel. Der Boykott lag die ganze Zeit im Schrank.
Bei der Weltmeisterschaft 2022 in Katar wollten sieben europäische Verbände, darunter der DFB, eine Kapitänsbinde mit Herz tragen, als Zeichen gegen Diskriminierung. Die FIFA drohte mit sportlichen Sanktionen; berichtet wurde von einer Gelben Karte für jeden Spieler, der mit der Binde aufläuft. Die sieben Verbände erklärten daraufhin gemeinsam, die FIFA habe „sehr deutlich gemacht“, dass sie sportliche Sanktionen verhängen werde. Sie verzichteten, Stunden vor dem ersten Spiel.
Damals stand kein Eigentum zur Debatte. Es ging um eine Verwarnung.
Feststellung der Abteilung VII
Das Ministerium für Haltung hat die Auslösewerte nebeneinandergelegt und empfiehlt eine amtliche Staffelung:
- Kritik an der Vergabe eines Turniers: Stellungnahme
- Kritik an der Menschenrechtslage im Gastgeberland: Kapitänsbinde
- Androhung einer Gelben Karte: Verzicht auf die Kapitänsbinde
- Verkauf von Eigentumsanteilen: Boykott sämtlicher Turniere
Die vierte Stufe ist die einzige, die einstimmig zustande kam.
„Wir haben den Verbänden jahrelang Mut abverlangt“, sagt die Abteilungsleitung VII. „Dabei war es die ganze Zeit eine Preisfrage.“
Der Vollständigkeit halber: Es gibt keine Regel, nach der man nur einmal widersprechen darf. Wer jetzt standhält, tut das Richtige, auch wenn er vor vier Jahren eingeknickt ist. Und ein Verband, der Anteile an einem Turnier verkauft, verkauft etwas, das ihm nicht gehört. Das ist ein anderer Vorgang als eine Armbinde, und es wäre unredlich, so zu tun, als sei es derselbe.
Es fällt nur auf, wie verlässlich die Standfestigkeit mit dem Streitwert steigt. Eine Haltung, die erst ab einer bestimmten Summe hält, ist keine Haltung. Sie ist eine Schwelle.
Bettina S. trägt die Binde inzwischen samstags am Kreisligaplatz, auf dem ihr Neffe spielt. Dort hat ihr noch nie jemand mit einer Gelben Karte gedroht. Dort gibt es allerdings auch nichts zu verkaufen.
Bettina S. ist eine erfundene Figur. Alle genannten Zahlen, Termine und Zitate sind belegt und in den Quellen nachzulesen.
















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