Der Preis des Deutschlandtickets kann jetzt auch sinken. Sie zahlen dann den alten.

Satirischer Behördenaushang des Ministeriums für Haltung mit der Schlagzeile „Der Preis darf sinken. Sie zahlen trotzdem den alten.“ und einem roten Stempel „Preis fortgeschrieben“.

Ilona F., 58, Schulsekretärin aus Hameln, wollte wissen, was ihr Deutschlandticket im nächsten Jahr kostet. Sie hat bei ihrem Verkehrsverbund angerufen.

Das weiß dort niemand. Der Preis wird nicht mehr beschlossen. Er wird ausgerechnet.

Die Verkehrsministerkonferenz hat im März in Lindau beschlossen, dass der Preis des Deutschlandtickets ab 2027 „anhand eines Preisindexes fortgeschrieben“ wird. Mitgeteilt wird das Ergebnis spätestens zum 30. September. Tagesspiegel Background hat die Formel nachgerechnet und kommt auf 66,40 Euro. Heute sind es 63. Amtlich ist die Zahl noch nicht.

Der Grund für die Formel ist gut. Der Preis war bisher Verhandlungssache zwischen Bund und Ländern, jedes Jahr neu, jedes Jahr laut, und die Verkehrsunternehmen erfuhren im Herbst, womit sie im Frühjahr planen dürfen. Eine Formel beendet das. Eine Formel streitet nicht.

Sie kann dafür etwas anderes nicht. In Ziffer 2 Buchstabe e) des Beschlusses steht: „Bei positivem Preisindex wird der Preis des Deutschlandtickets angehoben. Bei negativem Preisindex bleibt der Deutschlandticketpreis unverändert, die Preisberechnung des Folgejahres setzt jedoch auf dem errechneten Deutschlandticketpreis mit negativem Preisindex auf.“

Es gibt also zwei Preise. Einen, der gerechnet wird, und einen, den Sie zahlen. Der gerechnete darf fallen.

Was in der Formel steht

Der Kostenindex misst Personal, Diesel, Strom und Sonstiges. Der Wertfaktor bildet ab, dass der Zuschuss von Bund und Ländern bis Ende 2030 auf einem festen Betrag steht und nicht mitwächst. Er ist die Zeile, in der steht, dass jemand anders nicht mehr zahlt.

Ab 2028 kommt der Dämpfungsfaktor dazu. Kaufen mehr Menschen das Ticket, steigt der Preis etwas langsamer. Angerechnet wird davon ein Viertel.

Amtlich ergibt das die folgende Reihenfolge:

  • der Kostenindex — was der Betrieb kostet
  • der Wertfaktor — was der Staat nicht dazugibt
  • der Dämpfungsfaktor — was Sie durch Mitfahren gutmachen dürfen
  • der Preis — steigt

Gerechnet wird das nicht in einem Ministerium, sondern von einer eigens beauftragten Gesellschaft. Ein Wirtschaftsprüfer bestätigt, dass richtig gerechnet wurde. Was gerechnet wird, hat die Konferenz beschlossen.

„Ein Preis ist keine Entscheidung“, sagt die Abteilungsleitung II. „Ein Preis ist ein Ergebnis. Ergebnisse muss man niemandem erklären.“

Für den Fahrgast ändert sich dadurch die Adresse. Bisher konnte er sich über einen Beschluss ärgern und wusste, wer ihn gefasst hat. Jetzt ärgert er sich über eine Veränderungsrate, gewichtet mit dem Anteil des jeweiligen Kostenbestandteils.

Ilona F. hat sich das angesehen und für ihren Haushalt dasselbe eingeführt. Ihr Index enthält Miete, Strom und den Umstand, dass ihre Entgeltgruppe bis auf Weiteres feststeht.

Fällt er negativ aus, bleibt ihr Gehalt unverändert. Die Berechnung des Folgejahres setzt trotzdem darauf auf.

Ilona F. ist eine erfundene Figur. Alle genannten Zahlen, Zitate und Regelungen sind belegt und in den Quellen nachzulesen.

Quellen

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